Viadrina

Geschichte der Viadrina
Papst Julius II. genehmigte am 15. März 1506 die Errichtung der Universität. Von ihrer Gründung durch Kurfürst Joachim I. am 26. April 1506 bis zur Schließung 1811 war die Alma Mater Viadrina zu Frankfurt (Oder) die erste Brandenburgische Landesuniversität. Sie hatte vier Fakultäten: die juristische, theologische, medizinische und philosophische. Schon im ersten Jahr ihres Wirkens immatrikulierten sich dort über 900 Studenten aus den deutschen Gebieten und aus Polen, Schweden, Norwegen und Dänemark; die Stadt Frankfurt hatte damals 5000 Einwohner. Bis zu ihrer Verlegung nach Breslau studierten dort 55.000 Personen. Zu den berühmtesten von ihnen zählen Ulrich von Hutten, Thomas Müntzer, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Carl Philipp Emanuel Bach und Heinrich von Kleist. Hauptgebäude der damaligen Universität war das Collegienhaus.
Die im Jahre 1810 in Berlin eröffnete Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt-Universität) warf einen großen Schatten auf die Alma Mater Viadrina, so dass diese im Jahre 1811 ihre Pforten schloss. Das Inventar und ein großer Teil der Professoren siedelten nach Breslau über und dienten ab sofort der dortigen Leopoldina. Andere Professoren setzten ihre Lehre in Berlin fort.
180 Jahre später begann im Oktober 1992 die wiedergegründete Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) ihr erstes akademisches Jahr. Hans Weiler war bis 1999 erster Rektor der neuen Universität.
Im Jahr 2004 erlangte die Europa-Universität zusätzliche Bekanntheit durch die Nominierung ihrer Rektorin Gesine Schwan zur Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten durch die Sozialdemokraten und Bündnis 90/Die Grünen.
Im Sommersemester 2006 wurden an der Viadrina die Feierlichkeiten zur 500-Jahrfeier der Universität begangen.

Geschichte der Juden an der Viadrina
Bei der Eröffnung der Universität war es, wie in den größten Teilen Europas, den Juden verboten sich zu immatrikulieren. Als der Kurfürst Johann Sigismund 1613 zur reformierten Kirche übertrat entwickelte sich die Frankfurter Universität mehr zu einer calvinistischen Universität.
Professor Johann Christoph Beckmann besuchte unter anderem die für jüdische Studenten geöffnete Universität Leiden und ließ sich danach in Amsterdam vom Rabbiner Jacob Abendana „… im Talmudischen und in der arabischen Sprache unterrichten.
Am 29. April 1678 erteilte der Kurfürst Friedrich Wilhelm Gabriel Moschowitz und Tobias Moschowitz als ersten jüdischen Studenten das Recht an der Universität zu studieren. Das Studieren war allerdings durch die Kränkungen und abfällige Bemerkungen über das Judentum durch die Professoren nicht einfach. Ihre Promotion erlangten beide später in Pdau, da es ihnen in Frankfurt verwehrt blieb. Tobias wurde später Leibarzt des Sultans in Konstantinopel. Salomon Liebmann war der nächste erfasste Jude welcher ebenfalls auf besonderen Geheiß des Kurfürsten ab 1695 an der Viadrina studierte.
Die erste Promotion eines Juden erfolgte am 15. Oktober 1721. Den Doktorgrad erhielt Moses Salomon Gumpertz welcher zuvor an der Karls-Universität Prag studiert hatte. Bis 1794 promovierten 29 Juden in Medizin, unter ihnen Marcus Elieser Bloch. Der letzte immatrikulierte jüdische Student der alten Universität war Wilh. Salomon Hirschel welcher sich am 28. September 1810 einschrieb. Sein Studium konnte er aber durch die Schließung der Universität in Frankfurt nicht beenden. Insgesamt hatten bis dahin etwa 140 Juden in Frankfurt studiert, die meisten von ihnen aus Polen, aber auch aus Prag, Amsterdam und einer aus London.

Quelle: Wikipedia 12/07



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